Zitterpappeln auf subalpiner Höhenstufe

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Gebirgswaldpflege (GWP) und dem SLF.

Situation

Im südwestlichen Teil der Fichten-Aufforstung Scharinas in Tschamut (GR) sind in einigen Rottengassen noch Bestände von Zitterpappeln zu finden. Es wird angenommen, dass diese sich nach der Aufforstung mit Fichten (1967 bis 1976) natürlich angesamt haben (Banzer, 2024). Während des Pflegeeingriffs im Winterhalbjahr 2022/23 wurden in diesem Bereich mehrere Fichtenrotten entfernt (vgl. Abb. 1). Dadurch wurden einige Gruppen von Zitterpappeln freigestellt und stehen nun nicht mehr in Konkurrenz zu den Fichten.

Im weiter südlich gelegenen Teil der Aufforstung erreichen die Zitterpappeln in den Rottengassen an mehreren Stellen nahezu dieselbe Höhe wie die Fichten und bilden eine Art „Trennschicht“ (vgl. Abb. 2). Die Rottenränder sind bis jetzt weiterhin grün.

Die Zitterpappel wird als eine bedeutende "Zukunftsbaumart" in vielen von kontinentalem Klima geprägten Gebirgsfichtenwäldern angesehen. Sie zeichnet sich durch ihre Fähigkeit aus, bereits unter den aktuellen klimatischen Bedingungen zu gedeihen und eine hohe Trockentoleranz aufzuweisen. Besonders in Schutzwäldern könnte sich ihre rasche Bildung von Wurzelbrut als wertvoll erweisen.

Durch die gezielte waldbauliche Behandlung und das identische Alter der Bäume, eignet sich das Objekt in Scharinas gut, um die Auswirkungen der Freistellung (auf Wachstum und Wurzelbrutbildung) zu dokumentieren. Mehrere Projekte wurden dafür angesetzt und abgeschlossen:

   

Abgeschlossene Projekte

- Die Ergebnisse von Banzer (2023) legen nahe, dass die Zitterpappeln zunächst einen stärkeren Basalflächenzuwachs hatten als die Fichten. Seit 2011, rund 40 Jahre nach der Pflanzung der Fichten bzw. Ansamung der Pappeln, hat der Basalfächenzuwachs der Fichten jedoch derjenige der Pappeln überstiegen. Die Fichten mussten sich im Jahr 2011 den Zitterpappeln im Höhenwachstum angeglichen resp. diese überholt haben.


- Von den in Deragisch (2024) erhobenen Fluoreszenz-Indizes kann abgeleitet werden, dass freigestellte Zitterpappeln eine gesteigerte Biomassenproduktion und Vitalität gegenüber den eingewachsenen Pappeln aufweisen. Für einige untersuchte Pappeln kam die Freistellung jedoch zu spät, an ihnen wurde ein blattloser (absterbender) Zustand festgestellt. Die Wurzelbrut um diese freigestellt-absterbenden Zitterpappeln wies jedoch eine grössere Höhe und Zuwachsrate auf, als die Wurzelbrut um die freigestellt-lebenden Zitterpappeln. Dies dürfte mit der Reduktion des Pflanzenhormons Auxin zusammenhängen, welches in vitalen Zitterpappeln die Bildung von Wurzelbrut hemmt.

 

Laufende Projekte

- Die Fachstelle für Gebirgswaldpflege (GWP) betreut seit 2023 eine 4-teilige Weiserfläche. Diese weist 2 Teilfächen mit- und 2 Teilflächen ohne Massnahmen auf. Die Massnahmen beinhalten sowohl die Entfernung von Fichten-Konkurrenz, als auch Zitterpappeln auf den Stock zu setzen. Ziel ist die Beobachtung der Entwicklung von Zitterpappel-Altbäumen sowie deren Verjüngung (inkl. Wurzelbrut). Die Dokumentation erfolgt im Jahresturnus durch die Fachstelle GWP.

- Die Professur Waldökolgie der ETH nimmt jährlich BHD-Messungen an denjenigen Zitterpappeln vor, welche von Banzer (2023) dendrochronologisch untersucht wurden (vgl. Abb. 3). Zudem wird anhand von Dendrometern das Wachstum einiger freigestellter Pappeln, zusammen mit Boden-/Lufttemperatur sowie Bodenfeuchtigkeit, im 15-Minuten Takt gemessen (vgl. Abb. 4). Ziel ist es zu dokumentieren, wie die Pappeln bei unterschiedlichen Klimata (wie z.B. Trockenheitsereignissen) im Dickenwachstum reagieren.

Abb. 1: Nach dem Pflegeeingriff (Entfernung ganzer Fichten-Rotten) im Frühjahr 2023 wurden diverse Aspen freigestellt. Wie diese auf die Freistellung reagieren, und ob sich auf der Freifläche Aspen-​Verjüngung (Wurzelbrut) einstellt, wird mittels der Weiserfläche dokumentiert. Quelle: A. Carella

Quellen und Literatur

externe Seite Fachstelle für Gebirgswaldpflege

Deragisch L. 2024. Auswirkungen der Freistellung von Zitterpappeln in einem subalpinen Bergwald. Professur für Waldökologie, ETH Zürich. 37 S.

Banzer T. 2023. Rottenpflege unter Klimawandel. Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF, Davos. 113 S.