Verjüngungseinleitung mittels Saat
A. Carella

Hintergrund
In den Jahren 2009/10 und 2017/18 wurden in Scharinas zur Biodiversitätsförderung einzelne Rotten entfernt. In den darauffolgenden Jahren beobachtete der Forstbetrieb eine ausbleibende Waldverjüngung. Eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, wie eine dicke organische Auflage (Nadelstreu, vgl. Abb. 2), eine hohe Sonneneinstrahlung (Austrocknung), eine sich mittlerweile dicht etablierte Konkurrenzvegetation sowie Wildverbiss vermochte bisher die Naturverjüngung zu unterdrücken. Um die Verjüngung einzuleiten wurde entschieden, auf geschürften Flächen eine Saat auszubringen. Der Prozess wird wissenschaftlich begleitet.
Ziel
Ziel ist es, für die Forstpraxis bedeutende Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich die Verjüngung auf Offenflächen arbeitseffizient, naturnah und nachhaltig einleiten lässt. Zudem soll untersucht werden, welchen Einfluss die Anlegung von Bermen auf die Austrocknung des Waldbodens hat.
Methodik
Auf 24, durch Rottenentnahme entstandenen Freiflächen, wurde Saatgut von Lärche, Waldföhre und Birke auf Bermen und kleinflächigen Schürfungen ausgebracht. Dabei wurde die Hälfte des Saatguts jeweils mit einem Gitterkorb vor Samenraub geschützt und mittels eines Schattentuchs beschattet (vgl. Abb. 3). Lärche und Waldföhre wurde jeweils zur Hälfte mit einer Ummantelung (sog. "Filmcoating") behandelt. Logger erfassen auf den Bermen und Schürfungen (vgl. Abb. 4) die Luft- und Bodentemperatur, sowie den Bodenwassergehalt.
Erste Erkenntnisse
- Weder Hüllschicht noch Beschattung hatten Einfluss auf die Anzahl Keimlinge bzw. die maximale Keimlingshöhe (vgl. Abb. 7 und 8).
- Schürfungen führten zu grösseren Extremwerten der Bodentemperatur als die Kontrolle, mit sowohl niedrigeren Minimal- als auch höheren Maximalwerten (vgl. Abb. 5). Der volumetrische Bodenwassergehalt bei Bermen und Schürfungen lag ohne Beschattung niedriger als bei der Kontrolle (vgl. Abb. 6).
- Bei andauernden Trockenperioden dürfte die Entfernung der organischen Auflagehorizonte («Isolationsschicht») einen Einfluss auf die Keimlingsmortalität haben. Besonders auf austrocknungsgefährdeten Flächen ist es daher wichtig, die Schürfung so klein wie nötig zu halten.
- Die erhöhte Saat-Dichte innerhalb der Körbe, sowie der Ausschluss von Wildverbiss, führte zu einem höheren Keimerfolg und stärkerem Wachstum bei Lärche und Föhre als ausserhalb der Körbe. Bei der Birke war es indifferent, ob dicht oder locker gesät wurde (vgl. Abb. 6).
Ausblick 2025
- Das Wachstum und die Mortalität der Pflanzen, mit und ohne Beschattung, wird weiterhin protokolliert.
- Der Versuch wird mit einer Saat von Bergahorn ergänzt.
- Weitere Logger werden installiert, um die Konsequenzen der Schürfungen auf die Bodenfeuchtigkeit und -Temperatur statistisch zu analysieren.







Neben dem Forstbetrieb Tujetsch sind noch weitere Partner in der Projektentwicklung involviert. Das verwendete Saatgut stammt vom externe Seite Fortstgarten Rodels und wird von der externe Seite SeedForward GmbH behandelt. Weiter konnten für die Untersuchung der Samenprädation Keimlingsschütze vom externe Seite MyGardenOfTrees-Projekt der WSL verwendet werden.